Norwegen vertagt Entscheidung über WM-Boykott

Norwegen vertagt Entscheidung über WM-Boykott

Haaland und Co. nicht zur WM nach Katar 2022?

Mehrere Klubs und viele Fans wollen die norwegische Nationalmannschaft um Jungstar Erling Haaland zu einem Boykott der WM in Katar zwingen. Eine Entscheidung darüber wurde am Sonntag (14.03.2021) aber vertagt.

Norwegens Fußball-Verband NFF hat die Entscheidung über einen Boykott der WM 2022 in Katar vorerst vertagt. Bei der Jahreshauptversammlung „Footballting“ stimmten am Sonntag nur 61 Vertreter dafür, die Debatte über einen Verzicht auf die Tagesordnung zu setzen, 146 waren dagegen. Nötig wäre eine Zweidrittelmehrheit gewesen. 

Ein Boykott wird somit frühestens bei einem außerordentlichen Bundestreffen am 20. Juni besprochen. Das Team um Jungstar Erling Haaland soll allerdings bereits am 24. März in Gibraltar in die WM-Quali starten. Mehrere Erstligavereine und viele Fanvereinigungen hatten zuletzt den widerstrebenden Verband zu einer Diskussion über einen möglichen Boykott aufgefordert.

Vereine und Fans für Boykott

Der Klub Tromsö IL hatte die Bewegung als Reaktion auf Berichte über 6.500 Tote auf den Baustellen in Katar ins Leben gerufen, sechs weitere der 16 Erstligisten um Rekordmeister Rosenborg Trondheim haben sich angeschlossen, mehrere prominente Spieler äußerten sich positiv. 

14 von 16 Fanklub-Vereinigungen wollen den WM-Verzicht (zwei sind unentschieden), ebenso der Dachverband Norsk Supporterallianse, der erklärte: „Wir akzeptieren nicht, dass im Namen des Fußballs Menschen sterben, versklavt, oder ihre Rechte gebrochen werden.“ Der Verband NFF lehnt einen Boykott bislang ab und möchte Veränderungen über einen fortgesetzten Dialog herbeiführen.

Nationalcoach Solbakken kritisiert Verband

Norwegen mag eine kleine Fußball-Nation sein, sagte Solbakken bereits im Vorfeld, aber: „Wir haben einen Weltstar, einen halbverrückten Trainer und junge, nach vorne stürmende Spieler. Wir müssen groß denken!“

Was der NFF bisher getan habe, um Arbeiter- und Menschenrechte in Katar zu fördern, sei „zu schwach und zu wenig resolut“ gewesen, sagte Solbakken. Sich wie Verbandspräsident Terje Svendsennur auf einen Dialog zu berufen, sei „feige“, meinte er offen und forderte: „Wir müssen Druck machen!“ Der Sport habe die Kraft, „Signale zu setzen“. Das habe „Black Lives Matter“ gezeigt. 

Sieben Erstligisten und 14 Fanklub-Vereinigungen für Boykott

Das sei auch die Meinung von Haaland und Co., sagte Solbakken, seine Stars nähmen „mit vollem Herzen“ teil an der Diskussion. Aber, klar: Sie wollen spielen. Das, betonen die Befürworter eines Boykotts, täten sie angesichts all der toten Arbeiter „auf einem Friedhof“. Ihr Logo zeigt den WM-Pokal auf einem Haufen Totenschädel. 

Die FIFA nimmt den Aufruhr ernst. „Ich glaube nicht, dass der Boykott der WM ein richtiger Ansatz ist“, erklärte Präsident Gianni Infantino wenig überraschend. Der Dialog habe bereits viel bewirkt. Doch die mühsam erarbeiteten Reformen würden aktuell wieder zurückgedreht, hielt der norwegische Zweig von Amnesty International dagegen. 

Solbakken: „Katar hätte WM nie bekommen dürfen“

„Katar hätte die WM nie bekommen dürfen“, sagte Trainer Solbakken. Aber ein Boykott, betonte er, würde die Probleme der Arbeiter auch nicht lösen.

sid/red | Stand: 14.03.2021, 21:10

Schreibe einen Kommentar

Start typing and press Enter to search

Shopping Cart

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.