„Liebe kennt keine Pause“

„Liebe kennt keine Pause“

Kampagne des Wahlfrankfurters kommt gut an

Die Gemüter schlagen hoch, wenn das Stichwort Fußballweltmeisterschaft 2022 fällt. Zum einen, weil sie stattfindet, wenn bei uns Winter ist. Doch das ist Benjamin Näßler egal. „Wo steht denn geschrieben, dass wir Europäer das Recht haben, dass sie immer während unseres Sommers stattfindet?“, sagt der 32-Jährige. Was den amtierenden Mister Gay Germany aber wirklich nervt und was ihm Sorgen bereitet, ist, dass sie in Katar ausgetragen wird. „Das Wichtige ist, dass die WM in Ländern ausgetragen wird, in denen die Menschenrechte gelten“, sagt der Wahlfrankfurter. „Deshalb kann ich auch nur bedingt verstehen, dass eine WM dorthin vergeben wurde.“ Um seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, rief der Versicherungsfachmann die Kampagne „Liebe kennt keine Pause“ ins Leben. Der Titel geht auf eine Aussage Sepp Blatter s zurück, des ehemaligen Chef des Weltfußballverbandes Fifa. Der hatte 2010 für Aufregung gesorgt, als er bei einer Pressekonferenz homosexuellen Fußballfans empfahl, bei einer Teilnahme in Katar auf Sex zu verzichten. Später entschuldigte sich der Schweizer für diese Äußerung. „Aber ich habe mich durch Blatters Aussage verletzt und diskriminiert gefühlt“, so Näßler, der mit einem Mediziner verheiratet ist. „Blatters Aussage hat mich motiviert.“ So gründete er die Kampagne, „um ein Zeichen für die Community zu setzen hier vor Ort und in Katar. Wir möchten den Deutschen Fußballbund auffordern, unser Anliegen zu transportieren und sich für eine diverse Welt einzusetzen und dass er unsere Werte vertritt, die in seinen Statuten verankert sind“, stellt Benjamin Näßler klar. Dazu hat er im Februar auch eine Petition auf den Weg gebracht, um mit seinem Anliegen den DFB zu erreichen. „Es kann nicht sein, dass sich während eines Weltturniers Menschen wegen ihrer geschlechtlichen Orientierung ausgegrenzt fühlen und Angst um ihre Unversehrtheit haben müssen, nur weil sie homosexuell sind“, sagt Näßler. Sein Ziel ist es, den Druck auf Katar zu erhöhen, um die Diskriminierung von Homosexuellen zu beenden und eine WM möglich zu machen, bei der alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe und sexueller Neigung willkommen sind. Das kommt an. Als es bei der Europameisterschaft darum ging, dass beim Spiel Deutschland gegen Ungarn das Münchener Stadion in den Regenbogenfarben erstrahlen sollte und darum eine heftige Diskussion ausbrach, „brachte das unserer Petition in nur fünf Tagen 1000 Unterschriften“, erinnert sich Näßler. Politiker wie Olaf Scholz , Gesundheitsminister Jens Spahn , Oberbürgermeister Peter Feldmann oder Comedian Markus Krebs und Musiker Vincent Gross – um nur einige zu nennen – sind Botschafter der Kampagne. Ursprünglich war Näßlers Idee eine andere. Weil er sich sehr für Fußball interessiert, selbst gespielt hat, wollte er ein Fußballturnier auf die Beine stellen, an dem alle Teams teilnehmen können, die wollen. Wegen Corona musste es auf nächsten Sommer verschoben werden. Auch das trug dazu bei, dass die „Liebe kennt keine Pause“-Kampagne entstand. „Durch das Fußballturnier wollen wir der Forderung, dass während der WM 2022 und auch danach in Katar Homosexualität erlaubt ist und nicht diskriminiert werden soll, Nachdruck verleihen“, so Näßler. Und dass es nun erst 2022 stattfindet, hat auch sein Gutes, denn dann ist es terminlich näher an der Weltmeisterschaft und kann so für mehr Aufmerksamkeit für Näßlers Kampagne sorgen.

Quelle: Frankfurter Neue Presse

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