Grüner WM-Boykott – Katar erhält keinen Rasen

Grüner WM-Boykott – Katar erhält keinen Rasen

Ein renommierter Rasenproduzent sollte das Grün für die Fußball-WM 2022 liefern. Jetzt lässt er die Vereinbarung platzen. Grund sind die beim Bau der Stadien ums Leben gekommenen Arbeiter. Der Boykott sorgt für viel Beifall. 28

Es heißt, diese skurrile WM in der Wüste sei erkauft worden. Und zumindest der Preis für den Bau der Stadien ist bekannt. Während die Organisatoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar selbst von etwa sieben Milliarden Euro sprechen, machen viele eine ganz andere Rechnung auf: 6500 Menschenleben. Mindestens.

So hoch ist die Zahl der in den vergangenen zehn Jahren beim Bau der Stadien ums Leben gekommenen Arbeiter, wie der „Guardian“ Ende Februar gezählt hatte. Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und die extreme Belastung der Menschen auf den Baustellen mit 18-Stunden-Tagen und Sechs-Tage-Wochen werden als Hauptursachen angeführt.

Auch Hendriks Graszoden hätte bei den Scheichs wohl eine stolze Summe für seine Dienste eintragen können. Wie der Deutschlandfunk mit Bezug auf den regionalen Nachrichtensender 1Limburg berichtet, war das Familienunternehmen aus Heythuysen in den Niederlanden als Lieferant für den WM-Rasen vorgesehen, habe den Deal aber platzen lassen und wird mit der WM 2022 in Katar kein Geschäft machen. Zumindest nicht direkt.

Keine Geschäfte mit der „WM der Schande“

Die Großgärtnerei aus der Grenzregion in der Nähe von Mönchengladbach hatte bereits dem Sommermärchen 2006 seinen grünen Anstrich verliehen und auch bei den vergangenen drei Europameisterschaften den Rasen geliefert. Mit Katar wollen die Limburger aber nichts zu tun haben, seit sie von dem „Guardian“-Bericht erfuhren.

„Wir haben gesehen, was da vor sich geht. Wir wussten, dass bei den Arbeiten Menschen ums Leben gekommen sind, aber die Zahl von Sechseinhalbtausend hat uns enorm erschrocken“, heißt es in einer Stellungnahme der Firma.

Das Turnier wird seit Jahren kritisch bewertet. Fanverbände und Menschenrechtsorganisationen rufen aufgrund von Verletzungen der Menschenrechte, Korruptionsverdacht und klimatischer Bedenken immer wieder zum Boykott auf. Amnesty International bezeichnet das Turnier als „WM der Schande“.

Während sich der Sport, seine Funktionäre und Aktiven, bislang bedeckt halten, bewegt sich die Politik. Zumindest in den Niederlanden. Das Außenhandelsministerium sagte eine für März geplante Reise großer Unternehmen nach Katar kurzfristig ab. Im Februar hatte das Parlament bereits entschieden, dass König und Ministerpräsident dem Turnier fernbleiben sollen. Eine ähnliche Diskussion wird momentan auch in Dänemark geführt.

Der Ausstieg bringt dem Unternehmen einen großen Imagegewinn. Womöglich wird sich der nachvollziehbare Verzicht mittelfristig sogar auch noch finanziell rechnen.

Quelle: Welt.de

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